11.07.2001 // Dachstuhlbrand Herbert v. Pichlerstraße

Am Vormittag des 11. Juli 2001 kam es in einer Wohnanlage in Jenbach zu einem folgeschweren Brand, ausgelöst durch 4 explodierende Flüssiggasflaschen…

34 Familien mit 88 Personen wurden obdachlos. Sämtliche Bewohner konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Brandobjekt
Die Wohnanlage in der Herbert v. Pichler Straße befindet sich am östlichen Ortsrand der Marktgemeinde Jenbach. Das fünfstöckige Doppelhaus, in dem sich 34 Wohnungen befinden, ist umgeben von mehreren Einfamilienhäusern, einem Schülerheim, einem Gewerbebetrieb und mehreren landwirtschaftlichen Objekten.

Brandverlauf
Während am Dach des Gebäudes Flämmarbeiten durchgeführt wurden, kam es zu einem Brand im Bereich der Dachhaut. Da das Dach mit einem Teerbelag gedeckt war, fanden die Flammen genügend Nahrung. Löschversuche der beschäftigten Arbeiter mittels Pulverlöscher blieben erfolglos und sie alarmierten deshalb die Feuerwehr. Danach verließen die Arbeiter das Dach über das Stiegenhaus, ein Arbeiter setzte noch den Wandhydranten in Betrieb, stieg nochmals auf das Dach und versuchte, den Brand mit dem D – Schlauch  zu bekämpfen, wobei es ihm nicht gelungen ist ,die sieben am Dach gelagerten Gasflaschen zu je 33 Liter vor den Flammen zu schützen.

Alarmierung
Die FF Jenbach wurde um 10,36 Uhr mittels Rufempfänger alarmiert. Einsatzleiter ABI Karl Knoflach ließ sofort Sirenenalarm auslösen und forderte die Drehleiter der FF Schwaz an. Unmittelbar nachdem die ersten Fahrzeuge der FF Jenbach eintrafen, explodierten in kurzer Reihenfolge vier am Dach verbliebene Gasflaschen, drei weitere Gasflaschen wurden vom Dach geschleudert. Dadurch standen innerhalb weniger Augenblicke beide Dachstühle mit insgesamt 1.400 m² Dachfläche in Vollbrand. Es ist als kleines Wunder zu bezeichnen, dass während der Explosionen keine Menschen verletzt wurden, immerhin flogen Teile der Gasflaschen bis zu 400 Meter weit durch die Luft. Auch der Arbeiter, der sich nach wie vor auf dem Dach befand, überstand alle 4 Explosionen unverletzt.
Durch das enorme Ausmaß, das der Brand in kürzester Zeit erreichte, ließ der Kommandant der FF Jenbach, ABI Karl Knoflach, Abschnittsalarm im Abschnitt Jenbach auslösen, wodurch die Feuerwehren Buch, Wiesing, Strass, Gallzein und die Betriebsfeuerwehren Rotholz und GE Jenbacher in den Einsatz gerufen wurden. Zusätzlich wurde die Drehleiter von Eben am Achensee angefordert. In weiterer Folge wurden noch die Drehleiter von Stumm im Zillertal und der Hubsteiger der Berufsfeuerwehr Innsbruck zum Brandobjekt beordert. Um genügend Atemschutztrupps zur Verfügung zu haben, wurden noch die FF Stans und Schlitters sowie das Atemschutzfahrzeug der Landesfeuerwehrschule in Telfs alarmiert.
Das Rote Kreuz entsendet 3 RTW mit 2 Notärzten und 8 Sanitätern.
Den anrückenden Kräften wird der Weg von einer riesigen Rauchwolke gewiesen, die Einsatzleitung veranlasst Radiodurchsagen, in denen die Bewohner Jenbachs aufgefordert wurden, Fenster und Türen geschlossen zu halten. 

Sonstige Bemerkungen

  1. Glück im Unglück hatte der sich am Dach befindende Arbeiter, daß er unbeschadet geborgen werden konnte. Hätte der Wind gedreht, wäre der Mann in Brandrauch und Flammen sicher zu Schaden gekommen.
  2. Es grenzt an ein Wunder, daß keine Einsatzmannschaften ernsthaft verletzt wurden – durch die Detonationen der Gasflaschen wurden mehrere Feuerwehrmänner zu Boden geschleudert. Teile der Gasflaschen wurden in 400 m Entfernung gefunden.
  3. Den betroffenen Wohnungsinhabern konnte durch das umsichtige Engagement des BM Ing. Wolfgang Holub rasch und unbürokratisch geholfen werden.
  4. Da das Gebäude komplett von Vorgärten umgeben war, kamen die Drehleitern und vor allem der Hubsteiger schnell an ihre ( Ausladungs -) Grenzen. Für den Hubsteiger mussten sogar Teile eines Kinderspielplatzes entfernt werden, damit er überhaupt  effizient eingesetzt werden konnte. Auch mehrere Bäume mussten gefällt werden, damit die Drehleitern arbeiten konnten.
  5.    Ein besonderes Lob an die Gendarmerie. Zeitgleich mit dem Großbrand wurden die Beamten mit einer mehreren Stunden dauernden Verfolgungsjagd auf Autobahn und Bundesstraße konfrontiert, trotzdem gelang es ihnen, die Verkehrsumleitung zu organisieren, immerhin betrafen diese Maßnahmen den halben Ort.  
  6. Die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, Rettung, Gendarmerie sowie Gemeinde funktionierte hervorragend.
  7. Die Aufteilung der Einsatzstelle in mehrere Abschnitte war sehr erfolgreich. So war das Objekt in den Abschnitt West und Ost gegliedert, Wasserversorgung und Atemschutzstelle waren ebenfalls eigene Bereiche.

Chronologischer Ablauf der Ereignisse: 

11. Juli 2001 

10,36 Uhr Alarmierung FF Jenbach durch Rufempfänger

10,38 Uhr Sirenenalarm in Jenbach und Alarmierung der Drehleiter Schwaz

10,41 Uhr Eintreffen der ersten Einsatzmannschaften am Unglücksort

10,44 Uhr Erste Detonation einer Gasflasche – es folgen drei weitere Detonationen im  Abstand von ca. 10 Sekunden

10,50 Uhr Abschnittsalarm

10,55 Uhr Eintreffen von zwei Rettungswagen mit Notarzt

11,55 Uhr Klarheit, daß sich keine Personen mehr im Gebäude befinden

13,30 Uhr Abtransport der gekühlten Gasflaschen

13,40 Uhr Beginn der Abpumparbeiten des Löschwassers

14,00 Uhr Mieterversammlung im Veranstaltungszentrum

17,05 Uhr Brand aus

20,00 Uhr Nachlöscharbeiten, Brandsicherheitswache, Beleuchtung des Objektes

12. Juli 2001 

07,00 Uhr Beginn der Aufräumungsarbeiten an der Brandstelle. Abpump,- Reinigungs- u. Sicherungsarbeiten

18,16 Uhr Abrücken der letzten Einsatzkräfte von der Brandstelle

Feuerwehr Fahrzeuge Mannschaft
FF Jenbach 1 KDOF, 1 TLF, 2 LF, 1 Last 59 Mann
BTF Jenbacher Werke 1 TLF, 1 LF 22 Mann
FF Wiesing 1 TLF, 1 LF 19 Mann
FF Stans 1 LF, 1 MTF 18 Mann
BTF Rotholz 1 TLF, 1 LF 13 Mann
FF Buch 1 TLF, 2 LF, 1 MTF 25 Mann
FF Strass 1 TLF, 1 LF 13 Mann
FF Gallzein 1 LF 11 Mann
FF Eben 1 DL, 1 MTF 10 Mann
FF Schlitters 1 TLF 6 Mann
FF Stumm 1 DL 3 Mann
FF Schwaz 1 KDOF, 2 TLF ,1 DL, 1 ASF, 1 Last 35 Mann
BF Innsbruck 1 KDOF, 1 Hubsteiger 3 Mann
LFS Telfs 1 KDOF, 1 ASF, 1 Last 5 Mann
RK Schwaz 3 RTW 10 Mann
Gesamt 38 Fahrzeuge 252 Mann
Durch die eingesetzten Feuerwehren wurden 1.725 Einsatzstunden geleistet.

Einsatzverlauf
Tank 1 Jenbach nahm die Brandbekämpfung östlich des Gebäudes auf und wurde später durch die Drehleiter und ein Tankfahrzeug der FF Schwaz unterstützt. Mit der Drehleiter wurde zuerst der Arbeiter vom Dach gerettet, anschließend über das Wenderohr die Brandbekämpfung aufgenommen.
Die Mannschaft des Rüstfahrzeuges kühlte die am Boden liegenden, nicht explodierten Gasflaschen. 2 Atemschutztrupps durchsuchten die Wohnungen und nahmen anschließend die Brandbekämpfung auf. Um die Löschwasserversorgung der neun Tanklöschfahrzeuge und der 4 Hubrettungsgeräte – 3 Drehleitern, 1 Hubsteiger – sicherzustellen,  wurden vom Kasbach vier Leitungen zu je 600 Meter aufgebaut.
Zwischenzeitlich nahm die Atemschutz-Sammelstelle ihren Betrieb auf, es begann einer der größten Atemschutzeinsätze der letzten Jahre. Durch diesen groß angelegten Innenangriff konnte der Totalschaden von einigen Wohnungen verhindert werden. Insgesamt kamen 56 Atemschutztrupps á 3 Mann zum Einsatz, im Schnitt waren sechs Trupps gleichzeitig im Einsatz. Dabei wurden ca. 240 Atemluftflaschen leergeatmet. Ein Pendelverkehr zur Atemluftfüllstation in Schwaz wurde eingerichtet, wo während des gesamten Einsatzes ca. 200  Flaschen gefüllt wurden.
Da die Flammen vor allem in der Dachverschalung immer wieder aufflammten, gelang es erst nach Stunden, den Brand endgültig unter Kontrolle zu bringen. Während ab 16 Uhr die ersten Feuerwehren abrücken konnten, endete der Einsatz für die FF Jenbach erst am Abend des darauffolgenden Tages. Die Ausleuchtung des Objektes, Nachlöscharbeiten, Aufräumungs, – und Reinigungsarbeiten nahmen noch den ganzen Donnerstag in Anspruch.
Für die 88 Obdachlosen Bewohner konnten durch die Vermittlung der Gemeinde Jenbach rasch Ersatzwohnungen gefunden werden. Die Sanierungsarbeiten am Gebäude, an dem zweistelliger Millionenschaden entstand, werden einige Monate in Anspruch nehmen.
Im Verlauf des Einsatzes mussten 18 Personen mit leichten Verletzungen vom Roten Kreuz versorgt werden.

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