Nr. 123+124 // 27.09.2009 Brand eines Baggers im BEG-Stollen

Zu einem äußerst heiklen Baumaschinenbrand kam es am Sonntag kurz nach Mitternacht. Ein Folgeeinsatz zur Feststellung des Schadens am Bauwerk war noch am Abend notwendig.

Einsatz Nr. 123:

Im Rettungsschacht Nr. 6 im Baulos “H8 – Tunnel Jenbach” der BEG waren die letzten Vortriebsarbeiten für den Stollen im Gange, der im Endzustand den Eisenbahntunnel mit dem Schacht verbindet und somit einen Fluchtweg für den Notfall bieten wird. Der ca. 20m lange und in ca. 30m Tiefe gelegene Stollen wird wegen der herrschenden Baugrund- und Grundwasserverhältnisse unter Druckluft mit mehr als 2 bar Überdruck aufgefahren. Damit dieser Überdruck aufgebaut werden kann, ist am Beginn des Stollens ein Stahldeckel druckdicht montiert. Über eine in den Deckel integrierte Personenschleuse werden die Arbeiter in den Überdruckbereich ein- bzw. ausgeschleust.

Drei Mineure waren im Überdruckbereich tätig, als um ca. 00:15 Uhr der elektrisch betriebene Vortriebsbagger aus noch nicht geklärter Ursache Feuer fing. Aufgrund des Überdrucks erfasste das Feuer die Baumaschine rasend schnell, wobei durch die brennenden Kunststoffe und Hydrauliköle große Mengen Rauch freigesetzt wurden. Diese Rauchgase füllten den abgeschlossenen Stollen sofort und enorme Hitze staute sich auf. So konnten die Arbeiter keine Löschversuche mehr unternehmen, sondern gerade noch sich selbst in die Druckschleuse retten. Geistesgegenwärtig versorgte der Schleusenwärter seine Kollegen in der Schleuse sofort mit Frischluft. Der Notruf wurde ebenfalls abgesetzt und daraufhin neben den Feuerwehren Jenbach, Wiesing, Buch und GE Jenbacher auch der Rettungsdienst und der zuständige Druckluftarzt alarmiert.

Am Einsatzort eingetroffen konnten die Feuerwehrmänner jedoch nicht sonderlich viel tun, da es keine Möglichkeit gab, an den Brand im Überdruckbereich heranzukommen und diesen zu bekämpfen. Man hatte keine andere Wahl als den Bagger ausbrennen zu lassen. Mittlerweile traten Rauchgase aus einem Ventil im Druckdeckel aus und gefährdeten den Schleusenwärter und einen Kranfahrer, der ihm zu Hilfe gekommen war. Die Bauleute belüfteten daraufhin den Schacht und sorgten so im Schachttiefsten für eine bessere Umgebungsluft. Auch wurde ein neuer Schleusenwärter eingesetzt, der von einem Atemschutztrupp der FF Wiesing unterstützt wurde, während die beiden Kollegen wegen der eingeatmeten Rauchgase ins KH Schwaz verbracht wurden.

Besonders heikel war jedoch die Situation für die Männer in der Druckschleuse. So wie ein Taucher langsam auftauchen muss, muss auch aus einem Druckluftbereich langsam ausgeschleust werden. Hier dauert dieser Vorgang aufgrund der Druckstufe und der Aufenthaltsdauer beinahe 2 Stunden, aber nur wenige Meter entfernt brennt der Bagger und kann nicht gelöscht werden. Glücklicherweise verschärft sich die Situation nicht weiter und die Arbeiter können gegen 02:00 Uhr die Schleuse verlassen. Sie werden vorsorglich ebenfalls ins KH Schwaz eingeliefert.

Wäre die Lage nicht stabil geblieben, so hätte man eine Crash-Bergung durchführen und die Arbeiter in eine auf der Baustelle für Notfälle vorgehaltene Dekompressionskammer verbringen müssen. Zu einem Druckabfall im Stollen kam es auch nicht. Dies hätte zu einen Wassereintritt geführt und schlimmstenfalls einen Verbruch bis an die Oberfläche zur Folge gehabt. Ein entsprechender Bereich wurde vorsorglich abgesperrt und messtechnisch überwacht.Für die Feuerwehrkräfte gibt es nun nichts weiter zu tun und so rücken diese wieder in die Gerätehäuser ein. Nachdem das Feuer von selbst erloschen war, spülen die Bauleute den Stollen den ganzen Tag über mit Frischluft um den Rauch heraus zu bekommen.

 

Einsatz Nr. 124: Am Abend rückt die Feuerwehr Jenbach nochmals zum Brandort aus. Mit Unterstützung durch die Berufsfeuerwehr Innsbruck soll der Stollen begangen werden, um das Ausmaß des Schadens am Bauwerk festzustellen. Die Kollegen aus Innsbruck waren notwendig, weil in diesem speziellen Fall nicht nur atemschutztaugliche sondern auch drucklufttaugliche Einsatzkräfte erforderlich sind. Nach eingehender Beratung wurde ein Trupp bestehend aus einem Berufsfeuerwehrmann, dem Schichtingenieur und dem Polier zusammengestellt und eingeschleust. Ein Rettungstrupp bestehend aus drei Kameraden der Berufsfeuerwehr Innsbruck blieb vor der Schleuse in Bereitschaft.

Aufgrund der starken Verrußung wird eine genaue Beurteilung des Bauwerksschadens erst nach erfolgter Reinigung möglich sein, es dürfte jedoch den Umständen entsprechend glimpflich ausgegangen sein. Das weitere Vorgehen wird von den Baufachleuten beraten. Die Feuerwehrkräfte rückten gegen 22:00 Uhr von der Einsatzstelle ab.